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In Memoriam

Wir bedauern außerordentlich die Nachricht, dass der bis zuletzt aktive Seume-Forscher und Seume-Übersetzer Marcel Mouseler, im Juli 2014 im 85. Lebensjahr verstorben ist. Nicht nur verliert die Seume-Gesellschaft damit ein langjähriges Mitglied, vor allem der Verlust des detailbewussten und engagierten Wissenschaftlers und des Menschen Marcel Mouseler hinterlässt eine große Lücke.

 

Am viel zu frühen Verlust des insbesondere zur Leipziger Geschichte höchst beschlagenen sowie engagierten und produktiven Wissenschaftlers Prof. Dr. Dr. Detlef Döring am 1. April 2015 möchte der Vorstand der Seume-Gesellschaft seine große Anteilnahme bekunden. Seumes Wahlheimatstadt verliert mit ihm auch einen großen sächsischen Patrioten.

 

Veranstaltungswochende in Grimma 25.-26. Juli 2014

Freitag, 25. Juli 2014, 18.00 Uhr, Sitzungssaal im Alten Rathaus Grimma:

Thorsten Bolte (Grimma, Vorstandsmitglied des Seume-Vereins „ARETHUSA“ e. V. Grimma): Begrüßung

Georg Meyer-Thurow (Borgholzhausen, Vorstandsmitglied J.-G.-Seume-Gesellschaft zu Leipzig e. V.): Grußwort

Thorsten Bolte (Göschenhaus/ Kulturbetrieb Grimma): Ein Marsch ins Ungewisse? Seumes Spaziergang von Grimma nach Italien und Frankreich

Thomas E. Fuchs (Wuppertal, Pastor Emeritus): Neue Erkenntnisse zu Seumes Wanderroute nach Syrakus.

Lutz Simmler (Grimma / Seume-Verein „ARETHUSA“): Dia-Präsentation: Auf Seumes Spuren mit dem Drahtesel nach Syrakus und zurück

Samstag, 26. Juli 2014, 10.00 Uhr, Göschenhaus:

„Seume-Wanderung“ mit dem Göschenhaus-Team. Vom Göschenhaus zum Seume-Haus auf Seumes Spuren.

Samstag, 26. Juli 2014, ab 14.00 Uhr, Sitzungssaal im Alten Rathaus Grimma

Georg Meyer-Thurow (Borgholzhausen / J.-G.-Seume-Gesellschaft zu Leipzig): Merk=würdige Menschen und abenteuerliche Geschichten. Unbekannte und Unbekanntes aus Seumes Lebensumfeld

Thorsten Bolte (Göschenhaus im Kulturbetrieb Grimma): Das Abenteuer beginnt. Seume in Vacha

Ina Adler & Hans-Lothar Fuchs (Altenbach / Seume-Verein „ARETHUSA“): Bebilderter Vortrag: In der neuen Welt. Seume-Spurensuche in Kanada

Karl Wolfgang Biehusen (Bremen / J.-G.-Seume-Gesellschaft zu Leipzig): Ein Reporter war er nicht: Auf Seumes Spuren in Hamburg

 

Vortragsreihe zum 250. Geburtsjahr von J. G. Seume 2013

Am 26. Januar 2013 veranstalteten das Göschenhaus Grimma/ Arethusa, das Museum Schloß Lützen und der Ortsteil Poserna eine Festveranstaltung zu Ehren von Seumes 250. Geburtstag, in deren Anschluß eine Fahrt nach Poserna gemacht wurde, wo unser Mitglied Georg Meyer-Thurow Beiträge zur Geschichte von Seumes Geburtshaus und der örtlichen Kirche verlesen hat. Die Feierlichkeit erhielt erfreulich viel Zuspruch.

Unser Vorstandsmitglied Dr. Otto Werner Förster sprach am 5. Februar 2013 um 9.30 Uhr im Gemeindehaus Markkleeberg (Haus neben der Martin-Luther-Kirche, Pfarrgasse 27, 04416) über Seume.

Am 20. Februar 2013 um 19 Uhr sprach unser Mitglied Dr. Rupert Gaderer im Wolff Verlag in Berlin (Unter den Linden 40, 10117):Dinge im Tornister. Johann Gottfried Seumes ,Spaziergang nach Syrakus' im Jahre 1802. Erfreulicherweise war viel junges Publikum anwesend.

Zusammen mit der Volkshochschule Leipzig veranstaltete Dr. Otto Werner Förster am 1. und 2. März 2013 eine Seume-Stadtführung in Leipzig. 

Am 9. April 2013 um 19 Uhr sprach und las unser Mitglied Prof. Dr. Albert Meier im Goethehaus Frankfurt (Main) (Großer Hirschgraben 23-25, 60311) über Seumes Spaziergang nach Syrakus. Ein großes und Seume-kundiges Publikum besuchte die Veranstaltung. 

Am 27. Mai 2013 um 19 Uhr hielt Georg Meyer-Thurow imWestphalschen Haus in Markkleeberg (Dölitzer Str. 12) einen Vortrag mit dem Titel Seume und der Freiherr von Hohenthal auf Städeln. Eine Re-Vision von Seumes Lebensbericht über die Jahre in Knautkleeberg. Der Saal war voll: das ist Lokalpatriotismus!

Am 13. Juni 2013 veranstaltete das Schillerhaus Leipzig (Heinrich-Mann-Str. 32, 04157 Leipzig-Gohlis) einen Vortrag mit Dr. Otto Werner Förster. Und wieder: wirklich interessiertes Publikum!

Die Durchführung des Veranstaltungswochenendes 28. und 29. Juni 2013 in Grimma musste angesichts des Hochwassers der Mulde, von dem neben dem Seume-Haus und dem Rathaus die gesamte Infrastruktur stark betroffen war, abgesagt werden.

Am 15. August 2013 um 19.30 Uhr hielt Dr. Ute Pott in der Veranstaltungsreihe des Gleimhauses einen Hofabend ab, bei dem sie über Seume als Freund Gleims sprach (Gleimhaus, Domplatz 31, 38820 Halberstadt).

Am 17. September 2013, um 19 Uhr, fand in der Stadtbibliothek Bremen/ Krimibibliothek (Am Wall 201, 28195) ein Vortrag vonProf. Dr. Klaus Manger statt. Titel: Liest Seume auf seinem Spaziergang nach Syrakus Bestseller? Eine diskussionsfreudige Runde stellte sich der Frage nach Seumes Antikenrezeption auf seiner Italienreise und deren Wechselwirkung mit seinem Werk und Leben.

Am 19. September 2013, um 19.30 Uhr im Englischen Hof (Vorstadt 8, 37412 Herzberg) sprach Gabi Pahnke, Vertreterin unseres Vorstands, beim Heimat- und Geschichtsverein Herzberg am Harz zum Thema: "Auf dem Harze habe ich recht in der Natur geschwelgt." Johann Gottfried Seume und der Harz. Auch im Harz finden sich Liebhaber des "Gespenstes vom Brocken" Seume.

Am 12. Dezember 2013 um 19 Uhr c.t. befassten sich Prof. Dr. Theo Stammen und Gabi Pahnke im Rahmen der Goethe-Gesellschaft Augsburg mit dem schwierigen Verhältnis von Seume und Goethe. Die Veranstaltung im Hörsaalzentrum der Universität Augsburg, Raum 2110 (Universitätsstraße 10, 86159) war für den Dezember erstaunlich gut besucht.

 

Seume in Bad Boll 2012

Vom 23.11. bis 25.11.2012 führte die Evangelische Akademie Bad Boll mit großem Erfolg eine Tagung mit dem Titel Der Spaziergang nach Syrakus. Bildung als Abenteuer. Johann Gottfried Seume - Wanderer und kritischer Denker durch. Wir danken unserem Mitglied Herrn Dr. Thilo Fitzner und seinen Mitarbeitern, vor allem Frau Engert, herzlich für das Engagement, die große Kreativität und den Enthusiasmus bei der Durchführung der Tagung.


Nachruf für Jörg Drews (1938-2009) - oder: Abschiedsschreiben an einen Freund

Am 3. März 2009 hat Jörg Drews uns verlassen. Unfassbar. Der Mann mit dem ewig jungen, dem bange-beherzt jungen Geist und dem unversiegbar sprudelnden Temperament, gerade ist er für uns alle überraschend an einem Herzversagen gestorben. Er hat das Seumische Perfer et obdura bis zuletzt gelebt, bis zuletzt an seinem Schreibtisch gesessen. Auch dafür werden wir ihn vermissen.
"[Er hat] mein ganzes Herz auf immer gewonnen; so daß es mir unmöglich war, einer leisen Ahnung, daß wir uns nie wieder sehen würden, nur einen Augenblick Gehör zu geben. [...] Daß sein Verlustfür mich unersetzlich ist, ist das Wenigste: die Menschheit hat an ihm eine ihrer größten - leider! unerkannten Zierden verloren!" (Christoph Martin Wieland an Carl August Böttiger über Seumes Tod, 21.6.1810)
Wir Seumianer haben ihm beinahe alles zu verdanken. Nicht, dass andere Forschungen zurückzustehen hätten, nein, aber er bildete mit der Edition im Klassiker-Verlag die Grundlage und mit der wissenschaftlichen Gesellschaft das Herz der Seume-Forschung - beharrlich, genau hinsehend und mit Strahlkraft. Wir waren mit ihm in Syrakus, waren mit ihm in Riga; wenige Seume-Studien, die nicht irgendwie auch sein Signum trugen; von den teils explorativen Sammelbänden ganz zu schweigen. Auch er - und es ist festzuhalten - letztlich vor allen ER gab uns Obolen
Der 1938 in Berlin geborene Bielefelder Literaturwissenschaftler und Literaturkritiker Jörg Drews, der lange Jahre in seiner Herzensstadt München für die Süddeutsche Zeitung gearbeitet hat, ehe er nach Westfalen berufen wurde, kämpfte hart für seine Leidenschaft - die Literatur - und er hat sie bis ans Ende bewahrt.
Seine einmal ernste, einmal lächelnde Begeisterungsfähigkeit war nicht auf den ,Wanderer nach Syrakus‛, auf Johann Gottfried Seume, beschränkt. Ihm ist unter anderen die intensive Auseinandersetzung mit Arno Schmidt zu verdanken, er liess nie ab von James Joyce und auch endlich Goethe. Die deutschsprachige Nachkriegsliteratur mit Walter Kempowski oder Friederike Mayröcker beschäftigte ihn ebenso wie anderssprachige Autoren von Tobias Smollett bis Gustave Flaubert, von den Brontë-Schwestern bis Jorge Semprún. Er scheute keine schwierigen und experimentellen Texte, er suchte sie. Das breite Spektrum, das Jörg Drews mit seinem exzellenten Wissen abdeckte, und die Brillanz seines Denkens und Schreibens machten ihn zum Lehrer und Mentor für viele, die nach ihm kamen und unter ihm groß wurden. Denn er war nicht nur ein außerordentlicher Redner, der ganz unakademisch fesselte, er war auch ein feinsinniger Zuhörer und Zuschauer. Die Begegnung mit Gershom Scholem hat er nie vergessen. Und: Man konnte ihn fast nicht mehr verlieren.
Als Publizist und Kritiker verliess Jörg Drews die akademischen Formen und verkündete Literatur ganz selbstverständlich: beim Hörspielpreis für Kriegsblinde etwa, beim Doderer-Literaturpreis oder der SWR-Bestenliste. Seine Neugierde ging noch andere Wege, zu der Ursprünglichkeit des Dramaturgen Werner Fritsch oder der Waghalsigkeit des Goethe-Suchenden Ettore Ghibellino. Man kann seine Steckenpferde kaum alle nennen: Garlieb Merkel, Herbert Achternbusch, Christian Wagner, Albert Ehrenstein, Werner Kraft; H.C. Artmann, Paul Wühr... Es war viel. Manchmal zuviel.
Die Bayerische Akademie der Schönen Künste verstand, sie dankte seiner Beharrlichkeit und seiner Nonkonformität.
Mit der Liberalität seiner oft bohrenden Fragen erschreckte er und zog an. Wer standhielt, konnte neben ihm wachsen und bewundernd hoffen, auch einmal diese Größe zu erreichen. Er war ein Pionier, ein Wiederentdecker und vor allem ein Besessener, dem man sich nicht entziehen konnte.
Wenn Jörg Drews von Neuseeland nach Wien eilte, von Berlin nach London, durfte man sich nicht wundern, wenn eine Postkarte des Luftfahrtverrückten in den Briefkasten flatterte: "ich fiel aus einem funktionsfähigen flugzeug, hatte GOttseidank einen fallschirm dabei." Es waren HERZvolle 70 Jahre. Wir müssen dankbar sein.
Gabi Pahnke